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CDK4/6-Inhibitor Palbociclib

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Neuer Wirkstoff zur Behandlung des metastasierten, ­hormon­rezeptor­­positiven, HER2-negativen Brust­krebses

Auf diese Zulassung haben Ärzte und Patienten lange gewartet: Nachdem der CDK4/6-Inhibitor Palbociclib (Handelsname Ibrance) bereits im letzten Jahr in den USA zugelassen wurde, steht er nun auch in Deutschland und Österreich, bald auch in der Schweiz, außerhalb von Studien zur Verfügung. In der Zulassungsstudie konnte gezeigt werden, dass der Wirkstoff die progressionsfreie Zeit, also die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit, bei Frauen mit metastasiertem, hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs nahezu verdoppeln kann. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU in München, über diesen neuen Wirkstoff.

Mamma Mia!: Frau Prof. Harbeck, könnten Sie uns bitte kurz skizzieren, wie CDK4/6-Hemmer wirken?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Die so genannten cyclin-abhängigen Kinasen (kurz CDK genannt) spielen eine wichtige regulatorische Rolle im Zellzyklus und sind in Brustkrebszellen vermehrt aktiv. Dabei gibt es zahlreiche unterschiedliche Kinasen, die in bestimmten Phasen des Zellzyklus von Bedeutung sind. Durch ihre Hemmung (Inhibition) wird ein wichtiger Signalweg innerhalb der Zelle gestört, wodurch das Zellwachstum gebremst wird. Wir gehen davon aus, dass eine Überexpression von CDK4/6 ein Schlüsselfaktor für eine Resistenzbildung gegen eine antihormonelle Therapie ist. Werden sie gehemmt, wirkt die antihormonelle Therapie besser und länger.

Mamma Mia!: Die Zulassung erfolgte aufgrund positiver Daten aus der Paloma-2-Studie. Könnten Sie die Studieninhalte kurz zusammenfassen?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: An der Studie konnten Frauen mit metastasiertem, hormonrezeptorpositivem, HER2-negativem Brustkrebs teilnehmen, die im metastasierten Stadium noch keine antihormonelle Therapie erhalten hatten, man spricht hier von Erstlinientherapie. Ein Teil der Patientinnen erhielt den Aromatasehemmer Letrozol, der andere Teil Letrozol in Kombination mit Palbociclib. Die Kombination beider Medikamente führte zu einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um zehn Monate von 14,5 auf 24,8 Monate.

Mamma Mia!: Wie wird dieses Medikament verabreicht?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Das Medikament steht in Kapselform zur Verfügung. Die Kapseln werden für 21 Tage täglich eingenommen, dann folgen sieben Tage Pause. Bei Blutbildveränderungen können gegebenenfalls längere Pausen notwendig werden.

Mamma Mia!: Können Frauen, deren metastasierte Erkrankung bereits antihormonell behandelt wurde, diesen neuen Wirkstoff auch erhalten?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Ja, auf jeden Fall. Es gab eine weitere Studie, in der Palbociclib mit Fulvestrant bei Frauen, deren metastasierte Erkrankung bereits unter einer antihormonellen Therapie fortgeschritten war, kombiniert wurde (Paloma-3-Studie). Auch diese Kombination war einer alleinigen Therapie mit Fulvestrant deutlich überlegen. Diese Kombination kommt also bei Frauen infrage, die bereits eine antihormonelle Therapie erhalten haben.

Mamma Mia!: Wird Palbociclib auch prä- oder perimenopausalen Patientinnen verordnet?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: In der Paloma-3-Studie konnte klar gezeigt werden, dass der Nutzen von dieser neuen Therapie unabhängig vom Menopausenstatus ist. Die Zulassung folgt diesen Daten, so dass Palbociclib nun unabhängig vom Menopausenstatus der Patientin verordnet werden kann. Prämenopausale Patientinnen benötigen lediglich zusätzlich zu Palbociclib und der Antihormontherapie eine Unterdrückung der Eierstockfunktion, zum Beispiel mittels eines GnRH-Analogons.

Mamma Mia!: Könnten nicht auch Frauen mit einem triple-positiven Tumor (hormonrezeptor- und HER2-positiv) von dieser Therapie profitieren?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Wir wissen, dass CDK4/6-Inhibitoren sehr gut bei hormonabhängigen Tumoren wirken. Die bisherigen Zulassungsstudien haben sich auf HER2-negative Tumoren beschränkt. Jetzt laufen auch Studien zu den HER2-positiven hormonrezeptorpositiven Tumoren. Bis wir hier Ergebnisse haben, werden HER2-positive metastasierte Tumoren in der Erstlinie weiter mit Chemotherapie und der dualen Blockade behandelt.

Mamma Mia!: Und triple-negative Tumoren?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Die bisherigen klinischen Studien aber auch die präklinischen Daten zeigen eindeutig, dass der Nutzen einer CDK4/6-Hemmung im Wesentlichen bei den hormonabhängigen Tumoren liegt. Für triple-negative Tumoren sind derzeit andere vielversprechende Medikamente wie zum Beispiel PARP-Inhibitoren oder Immuntherapien in Entwicklung.

Mamma Mia!: Welche Nebenwirkungen treten unter der Einnahme von Palbociclib auf?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Alles in allem ist das Medikament gut verträglich. Die häufigste Nebenwirkung, die in Studien aufgetreten ist, sind Blutbildveränderungen, von denen die Patientin meist nicht viel merkt. Umso mehr müssen wir Ärzte darauf achten, insbesondere die weißen Blutkörperchen können sich verringern. Zu Beginn der Therapie sollten die Blutwerte zunächst alle zwei Wochen überprüft werden, auch wenn das vielleicht belastend für die Patientin ist, und gegebenenfalls die Dosis reduziert werden. Nach den ersten zwei Zyklen reicht dann in der Regel eine Blutbildkontrolle vor dem neuen Einnahmezyklus.
Weitere Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Müdigkeit, Infektionen der oberen Atemwege, Übelkeit, Entzündungen der Mundschleimhaut, Haarausfall beziehungsweise ein dünnerer Haarwuchs, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Erbrechen. Diese Nebenwirkungen traten aber nur sehr selten in einer schweren Form auf. Insgesamt wissen wir, dass die Lebensqualität länger stabil bleibt als unter einer alleinigen Antihormontherapie.

Mamma Mia!: Gibt es weitere Studien mit Palbociclib in Deutschland?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Mit der Zulassung in Deutschland startet eine neue Studie mit etwa 1.000 Patientinnen, die PreCycle Studie, in der genau dokumentiert wird, welche unerwünschten Wirkungen auftreten und wie die Lebensqualität der Patientinnen unter dieser Therapie im Alltag ist. Dadurch können wir klare Empfehlungen zur Vorbeugung beziehungsweise Behandlung der Nebenwirkungen aussprechen. Die „PreCycle-Studie“ wird von mehreren deutschen Studiengruppen (AGO, AGO TRAFO, DGHO und WSG) gemeinsam durchgeführt. In dieser Studie werden die Patientinnen und ihre Ärzte mit einem neuen Internet-basierten Programm (CANKADO: www.cankado.de) bei der Therapie mit ­Palbociclib unterstützt.

Mamma Mia!: In Studien werden zwei weitere CDK4/6-Inhibitoren untersucht, deren Zulassung auch in Europa erwartet wird. Was unterscheidet diese Medikamente?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Auf dem großen europäischen Krebskongress, ESMO, gab es im Herbst Daten zu Ribociclib, die den Ergebnissen zu Palbociclib in der Erstlinientherapie sehr ähnlich waren – hier wird die Zulassung 2017 erwartet. Die dritte Substanz, Abemaciclib, scheint etwas anders zu wirken und dadurch auch andere Nebenwirkungen zu haben. Auch eine tägliche Einnahme ohne Pausen unterscheidet sie von den beiden anderen CDK4/6-Inhibitoren. Zu Abemaciclib werden die Daten der Zulassungsstudie Mitte 2017 erwartet. Insgesamt ist diese vielfältige und überzeugende Datenlage zur CDK4/6-Hemmung eine gute Nachricht für die Patientinnen.


Univ.-Prof. Dr. med. Nadia HarbeckUniv.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck
Leitung des Brust­zentrums der Universität München
Universitätsfrauenklinik
Klinikum Großhadern
Marchionini­straße 15
81337 München
Tel.: +49 (0)89 4400-77581
Fax: +49 (0)89 4400-77582
E-Mail

 

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