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Das Hand-Fuß-Syndrom

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Prophylaxe und Behandlung

Das „Hand-Fuß-Syndrom“ ist eine Hautveränderung an Händen und Füßen, die auf Druck schmerzhaft sein kann. Die Symptome reichen von einer Rötung der Haut über Schwellungen hin zu Blasen- und Geschwürbildungen. Dieses Hand-Fuß-Syndrom kann bei Patientinnen auftreten, die Capecitabin (Xeloda®), eine orale Chemotherapie, einnehmen. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Andreas Schneeweiss, Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, über Behandlungsmöglichkeiten des Hand-Fuß-Syndroms.

Mamma Mia!: Herr Prof. Schneeweiss, wie häufig und in welcher Ausprägung tritt das Hand-Fuß-Syndrom auf?

Prof. Dr. Andreas Schneeweiss: Schätzungen zufolge sind rund zwei Drittel der Patientinnen, die mit Capecitabin behandelt werden, vom Hand-Fuß-Syndrom betroffen. Es tritt in unterschiedlichen Stadien auf: Bei Grad 1 (Taubheitsgefühl, Rötungen, Schwellungen) gilt es, präventive Maßnahmen konsequent zu beachten, eine regelmäßige, klinische Kontrolle ist wichtig. Es gibt jedoch in diesem Stadium keinen Anlass, die Therapie zu unterbrechen oder die Dosis zu verringern. Wird Ausprägung Grad 2 (Rötung, Schwellung, Blasenbildung, Schmerzen) erreicht, sollte ein Hautarzt konsultiert werden. Die Hautveränderungen können lokal therapiert, Schmerzen medikamentös eingeschränkt werden. Es besteht die Notwendigkeit einer engmaschigen Kontrolle, damit gegebenenfalls rechtzeitig die Dosis reduziert beziehungsweise die Therapie abgebrochen werden kann. Da die Beschwerden an Händen und Füßen während einer Therapieunterbrechung in der Regel sehr schnell abheilen, kann die Therapie meist nach wenigen Tagen fortgesetzt werden, allerdings mit einer reduzierten Dosis. Sobald Stadium 3 (Blasenbildung, Hautblutungen, Geschwürbildung) diagnostiziert wird, sollte zusätzlich eine stationäre Behandlung diskutiert werden.

Mamma Mia!: Sie erwähnten präventive Maßnahmen. Um welche handelt es sich?

Prof. Dr. Andreas Schneeweiss: Es ist sinnvoll, bereits vor Therapiebeginn bestehende Verhornungen der Haut abzutragen. Nach Kontakt mit Wasser ist es wichtig, die Haut gut einzucremen, auf heißes Wasser sollte ebenso verzichtet werden wie auf Sonnenbäder. Reibung durch harte Handtücher oder Peelings sollten vermieden werden. Verletzungen und Druck können eine Reizung der Haut und somit den Ausbruch des Hand-Fuß-Syndroms hervorrufen. Starkes Schwitzen in der Sauna oder beim Sport reizt die Haut und kann zu einer Verschlechterung der Symptome führen.

Mamma Mia!: Sie sprachen von einer lokalen Therapie der Hautveränderungen. Welche Möglichkeiten stehen hier zur Verfügung?

Prof. Dr. Andreas Schneeweiss: Die Reaktionen auf der Haut entstehen, weil der Wirkstoff Capecitabin über die Schweißdrüsen ausgeschieden wird. Insbesondere an den Stellen, an denen verstärkt Hornhaut ist, sammelt sich der Wirkstoff, wodurch die Toxizität entsteht. In der lokalen Behandlung des Hand-Fuß-Syndroms ist es also wichtig, die Verhornung durch Salbe aufzuweichen, hier können Urea-haltige Hand- und Fußcremes sinnvoll sein (mindestens drei Mal täglich und nach dem Waschen). Es gibt außerdem eine neue, vielversprechende Salbe mit dem Namen Mapisal, die speziell für die Behandlung des Hand-Fuß-Syndroms entwickelt wurde. Diese Salbe fängt die Wirkstoffe der Chemotherapie direkt ab, wenn sie aus den Schweißdrüsen abgesondert werden. Die Wirksamkeit wird zurzeit in einer Studie mit der anderer Salben verglichen. Die Studie hat vor wenigen Monaten die letzte Patientin aufgenommen, Ergebnisse werden in Kürze erwartet.


Prof. Dr. med. Andreas SchneeweissProf. Dr. med. Andreas Schneeweiss
Sektionsleiter Gynäkologische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen
Universitäts-Klinikum
Im Neuenheimer Feld 460
69120 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221 56-36051
Fax: +49 (0)6221 56-7920
E-Mail
www.klinikum.uni-heidelberg.de

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