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Everoli­mus

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Therapieoption bei hormonabhängigem, fortgeschrittenem Brustkrebs

Everolimus (RAD001, Handelsname Afinitor) hat sich seit der Zulassung im Juli 2012 für die Behandlung von Hormonrezeptor-positivem, fortgeschrittenem Brustkrebs zunehmend etabliert. Der Wirkstoff hilft Frauen, deren Krankheit unter der Einnahme eines nicht-steroidalen Aromatasehemmers fortgeschritten ist. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Wolfgang Janni über den neuen Wirkstoff und seine Besonderheiten.

Mamma Mia!: Herr Professor Janni, könnten Sie uns den Wirkmechanismus von Everolimus kurz beschreiben?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Everolimus ist ein so genannter m-TOR Inhibitor, dass heißt, er greift in die Zellsteuerung von Tumorzellen ein. Tumorzellen haben an ihrer Oberfläche so genannte Wachstumsrezeptoren, deren Signale innerhalb der Zelle weitergegeben werden. Wir nennen dies Signaltransduktion. Man kann das vielleicht mit der Situation einer Fernsehantenne in früheren Zeiten vergleichen: Die Fernsehantenne auf dem Dach entspricht den Rezeptoren an der Oberfläche einer Tumorzelle. Die Signaltransduktion entspricht dem Antennenkabel bis ins Wohnzimmer. Evorolimus unterbricht die Signalweitergabe in diesem Antennenkabel und führt so zu Störungen bei der Steuerung der Tumorzelle und damit dem Tumorwachstum.

Mamma Mia!: Wie bei jeder Therapie treten auch bei der Behandlung mit Everolimus Nebenwirkungen auf. Die häufigste Begleiterscheinung ist die so genannte Stomatitis, also eine Entzündung der Mundschleimhaut. Was können Betroffene tun, um sie vorzubeugen beziehungsweise zu behandeln?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: In der Tat ist die Stomatitis eine häufige, aber nicht gefährliche und in der Regel milde Nebenwirkung. Sie tritt bei sehr vielen modernen Medikamenten der Krebsbehandlung auf. Lokal pflegende Maßnahmen wie Mundspülungen reichen meist aus, um die Nebenwirkungen gut zu kontrollieren. Eine Linderung der Beschwerden bringt auch eine Kühlung mit Eiswürfeln oder gefrorenen Ananasstücken (wirkt entzündungshemmend). Manchmal wird die Therapie für kurze Zeit pausiert, was keinen Schaden bezüglich der Wirksamkeit der Therapie hat.

Mamma Mia!: Weiterhin trat in der Zulassungsstudie bei einigen Patientinnen eine Pneumonitis, also eine Entzündung der Lunge auf. Ist das nicht gefährlich für die Frauen?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Diese Form der Lungenentzündung, die im Rahmen der Studie auftrat, führte zu keinen schweren Komplikationen. Es handelt sich hier um keine infektiöse Lungenentzündung, also durch Keime verursacht, sondern mehr um eine Reizung der Zellen des Lungengewebes. Diese Nebenwirkung ist sicher ernst zu nehmen, lässt sich aber in der Hand von Spezialisten gut behandeln. Bei Hustensymptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht und über die Therapie informiert werden.

Mamma Mia!: Viele Krebstherapien können sich verändernd auf das Blutbild auswirken, so auch Everolimus. Was muss in diesem Zusammenhang beachtet werden?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Die typischen Auswirkungen auf das Blutbild, die wir von Chemotherapien kennen, also vor allem eine Minderung der blutbildenden Zellen, treten glücklicherweise unter der Therapie mit Everolimus nicht auf. Die Leberwerte müssen gut überwacht werden, ansonsten bleibt die Organfunktion von wichtigen inneren Organen weitgehend unbeeinflusst.

Mamma Mia!: Gibt es weitere Nebenwirkungen, die auftreten können? Wenn ja, was können Betroffene tun?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Patientinnen, die zu hohem Blutzucker neigen oder gar an Diabetes mellitus leiden, sollten besonders auf die Blutzuckerwerte achten. Ihr Arzt wird diesbezüglich aber auf jeden Fall spezielle Kontrollen vorsehen. In seltenen Fällen können außerdem Hautirritationen auftreten. Um das zu verhindern, sollten scharfe Wasch- und Desinfektionsmittel sowie starke Sonneneinstrahlung vermieden und regelmäßig rückfettende Hautpflegeprodukte verwendet werden.

Mamma Mia!: Gibt es noch etwas, das Sie Betroffenen in Zusammenhang mit dieser Therapie empfehlen möchten?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Es wurde vom Hersteller in Zusammenarbeit mit Experten eine Broschüre zum Umgang mit Nebenwirkungen unter der Therapie mit Everolimus erarbeitet, die eine Vielzahl sehr hilfreicher Tipps beinhaltet. Ich rate allen Patientinnen, ihren Arzt auf diese Broschüre als wichtige Informationsquelle anzusprechen, um diese hochwirksame Behandlungsmöglichkeit optimal nutzen zu können.


Wolfgang JanniProf. Dr. med. Wolfgang Janni
Ärztlicher Direktor Frauenklinik
Universitätsklinikum Ulm
Prittwitzstraße 43
89075 Ulm
Tel.: +49 (0)731 50058500
Fax: +49 (0)731 50058502
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