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Hormonrezeptor-positive ­Tumoren: Weitere Therapieoptionen

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Behandlungsoptionen nach erneutem Fortschreiten der Krankheit


CDK4/6-Inhibitoren in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant sind zurzeit die bevorzugten Medikamente bei Hormonrezeptor-positiven, metastasierten Tumoren. Wie bei allen Krebsmedikamenten ist es auch bei dieser Substanzklasse so, dass nicht alle Tumoren gleich gut darauf ansprechen. Auch die Therapiedauer bis zum Fortschreiten der Krankheit ist unterschiedlich. Gut zu wissen ist daher, dass es neben den CDK4/6-Inhibitoren eine Reihe anderer Medikamente gibt, die bei dieser Tumorart gut wirken. Prof. Dr. Wolfgang Janni vom Universitätsklinikum Ulm erläutert, welche Therapieoptionen es noch gibt.

Mamma Mia!: Herr Professor Janni, welche Therapie empfehlen Sie Frauen mit Hormonrezeptor-positivem, metastasiertem Tumor, wenn die CDK4/6-Inhibitoren nicht beziehungsweise nicht mehr wirken?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Nun, für diese Tumorart gibt es in der Tat eine ganze Reihe Substanzen. Bei der Therapiewahl ist es zunächst wichtig zu entscheiden, ob ein schnelles Therapieansprechen angezeigt ist. Das ist dann der Fall, wenn Metastasen Symptome wie Schmerzen oder Kurzatmigkeit verursachen. Ist das der Fall, würden wir eine Chemotherapie empfehlen. Ansonsten gibt es zielgerichtete Therapien wie Everolimus, die wir vor der Chemotherapie einsetzen können, oder auch eine endokrine Monotherapie, also lediglich eine Therapie mit einer antihormonellen Substanz.

Mamma Mia!: Könnten Sie uns den Wirkmechanismus von Everolimus kurz beschreiben?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Everolimus (Handelsname Afinitor) ist ein so genannter m-TOR Inhibitor, das heißt, er greift in die Zellsteuerung von Tumorzellen ein. Tumorzellen haben an ihrer Oberfläche so genannte Wachstumsrezeptoren, deren Signale innerhalb der Zelle weitergegeben werden. Wir nennen dies Signaltransduktion. Man kann das vielleicht mit der Situation einer Fernsehantenne in früheren Zeiten vergleichen: Die Fernsehantenne auf dem Dach entspricht den Rezeptoren an der Oberfläche einer Tumorzelle. Die Signaltransduktion entspricht dem Antennenkabel bis ins Wohnzimmer. Everolimus unterbricht die Signalweitergabe in diesem Antennenkabel und führt so zu Störungen bei der Steuerung der Tumorzelle und damit dem Tumorwachstum. Allerdings ist die Substanz beim Mammakarzinom im Wesentlichen nur in Kombination mit einer antihormonellen Substanz wirksam.

Mamma Mia!: Wie bei jeder Therapie treten auch bei der Behandlung mit Everolimus Nebenwirkungen auf. Die häufigste Begleiterscheinung ist die so genannte Stomatitis, also eine Entzündung der Mundschleimhaut. Was können Betroffene tun, um sie vorzubeugen beziehungsweise zu behandeln?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: In der Tat ist die Stomatitis eine häufige, aber nicht gefährliche und in der Regel milde Nebenwirkung. Sie tritt bei sehr vielen modernen Medikamenten der Krebsbehandlung auf. Lokal pflegende Maßnahmen wie Mundspülungen reichen meist aus, um die Nebenwirkungen gut zu kontrollieren. Eine Linderung der Beschwerden bringt auch eine Kühlung mit Eiswürfeln oder gefrorenen Ananasstücken (wirkt entzündungshemmend). Bei schwereren Verlaufsformen haben wir sehr gute Erfahrungen mit einer kortisonhaltigen Mundspülung gemacht, die schnell die Symptome lindert. Manchmal wird die Therapie für kurze Zeit pausiert, was keinen Schaden bezüglich der Wirksamkeit der Therapie hat.

Mamma Mia!: Weiterhin trat in der Zulassungsstudie bei einigen Patientinnen eine Pneumonitis, also eine Entzündung der Lunge auf. Ist das nicht gefährlich für die Frauen?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Diese Form der Lungenentzündung, die im Rahmen der Studie auftrat, führte zu keinen schweren Komplikationen. Es handelt sich hier um keine infektiöse Lungenentzündung, also durch Keime verursacht, sondern mehr um eine Reizung der Zellen des Lungengewebes. Diese Nebenwirkung ist sicher ernst zu nehmen, lässt sich aber in der Hand von Spezialisten gut behandeln. Bei Hustensymptomen sollte immer ein Arzt aufgesucht und über die Therapie informiert werden. Es wurde vom Hersteller in Zusammenarbeit mit Experten eine Broschüre zum Umgang mit Nebenwirkungen unter der Therapie mit Everolimus erarbeitet, die eine Vielzahl sehr hilfreicher Tipps beinhaltet. Ich rate allen Patientinnen, ihren Arzt auf diese Broschüre als wichtige Informationsquelle anzusprechen, um diese hochwirksame Behandlungsmöglichkeit optimal nutzen zu können.

Mamma Mia!: Sollte eine Chemotherapie sinnvoll sein – nach welchen Kriterien wählen Sie die Therapie aus?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Wir müssen zunächst sehen, welche Behandlungen bereits durchgeführt wurden. Dann ist die Wahl des Medikaments abhängig vom rezidivfreien Intervall nach Ende der adjuvanten Therapie, der Aggressivität der Erkrankung, der Lokalisation der Metastasen, der Begleiterkrankungen sowie der Erwartungen und Präferenzen der Patienten.

Mamma Mia!: Gibt es weitere Therapieoptionen für diesen Tumortyp?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Ja, bei wenig aggressiven Verlaufsformen kann durchaus auch eine endokrine Monotherapie ausreichend sein, also nur eine Substanz. Dadurch kann die Zeit bis zur nächsten Therapielinie oft sehr nebenwirkungsarm gestaltet werden. Zukünftig werden wir hoffentlich noch über weitere Therapiemöglichkeiten verfügen – leider sind diese erst noch in der Erforschung.

Mamma Mia!: Welches Gefühl überwiegt, wenn Sie in die Zukunft blicken – Zuversicht oder Resignation?

Prof. Dr. Wolfgang Janni: Ganz klar Zuversicht! Noch nie konnten wir Verlaufsformen von Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen mit Fernmetastasen so erfolgreich und dabei so nebenwirkungsarm behandeln. Bei vielen unserer Patientinnen können wir beobachten, dass chemotherapiefreie Therapien über viele Jahre ein Voranschreiten der Erkrankung verhindern bei sehr guter Lebensqualität. Die Chancen für solche Verläufe waren noch nie so gut! a es

Kontakt

Prof. Dr. med. Wolfgang Janni

Prof. Dr. med. Wolfgang Janni
Ärztlicher Direktor, Frauenklinik
Universitätsklinikum Ulm
Prittwitzstraße 43, 89075 Ulm
Tel.: +49 (0)731 50058500
Fax: +49 (0)731 50058502
E-Mail: wolfgang.janni@uniklinik-ulm.de

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