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Taxane in der ­Brust­krebs­therapie

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Fortschritte durch nab-Technologie

Taxane spielen seit Jahren eine wesentliche Rolle in der Tumortherapie. Mit nab-Paclitaxel, auch bezeichnet als Paclitaxel-Albumin (Abraxane®), steht seit 2011 ein neues Therapiekonzept zur Verfügung. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Hans-Joachim Lück aus Hannover über die Besonderheit dieses Taxans.

Mamma Mia!: Herr Prof. Lück, was unterscheidet nap-Paclitaxel von anderen Taxanen?

Prof. Dr. Hans-Joachim Lück: Taxane gehören zu den so genannten hydrophoben Zytostatika, das heißt, sie sind nicht wasserlöslich. Es bedarf vielmehr eines Lösungsmittels, damit sich die Wirksamkeit entfalten kann. Durch das Lösungsmittel lassen sich die Taxane schlecht dosieren, weil eine höhere Dosis zwar die Nebenwirkungen, nicht aber die Effektivität verbessert. Bei dem neuen Therapiekonzept werden die Zytostatika in Albumin-Nanopartikel eingeschlossen, die sie gezielt zum Tumor transportieren. Dort werden sie angereichert. So kann bei einer höheren Effektivität eine bessere Verträglichkeit erreicht werden. Einen weiteren Unterschied gibt es bei der Verabreichung: Statt drei Stunden dauert die Infusion von nab-Paclitaxel nur etwa 30 Minuten. Ergänzende Medikationen gegen allergische Reaktionen, die bei den anderen Taxanen im Vorfeld der Therapie verabreicht werden, sind nicht mehr nötig.

Mamma Mia!: Für wen ist dieser Wirkstoff zugelassen?

Prof. Dr. Hans-Joachim Lück: Die Zulassung von nab-­Paclitaxel umfasst in der EU die Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms bei erwachsenen Patienten, bei denen die Erstlinientherapie für metastasierende Krankheit fehlgeschlagen ist und für die eine standardmäßige Anthrazyklin-enthaltende Therapie nicht angezeigt ist.

Mamma Mia!: Gibt es zwischen den Taxanen Unterschiede in der Wirksamkeit?

Prof. Dr. Hans-Joachim Lück: In der Zulassungsstudie zeige das nab-Paclitaxel eine Überlegenheit gegenüber herkömmlichem Paclitaxel. In der Phase-III-Studie zeigte der neue Wirkstoff nicht nur ein signifikant besseres Gesamtansprechen, sondern verlängerte auch die durchschnittliche progressionsfreie Zeit deutlich. Darüber hinaus verbesserte nab-Paclitaxel bei Patientinnen in der Sekundärtherapie oder einer späteren Behandlungslinie auch das Gesamtüberleben.

Mamma Mia!: Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Patientinnen rechnen?

Prof. Dr. Hans-Joachim Lück: Zu den häufigsten Nebenwirkungen bei der nab-Paclitaxel-Therapie gehören sensorische Neuropathien (NP). Sie äußern sich anfangs durch Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Schmerzen in Händen und Füßen. Die Beschwerden hängen von der Dosierung des Medikaments ab, sind daher relativ einfach zu regulieren und verschwinden meist nach dem Absetzen des Medikaments wieder. Weiterhin beobachtet wurden so genannte Neutropenien, ein Mangel an neutrophilen Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutzellen. Eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte ist daher wichtig. Häufig berichtet werden außerdem Übelkeit und Probleme im Verdauungstrakt, die mit anderen Medikamenten gut behandelt werden können. Wie bei den meisten Krebstherapien können Frauen auch ein Fatigue-Syndrom, also einen extremen Erschöpfungszustand, entwickeln. Studien haben gezeigt, dass hier körperliche Betätigung hilfreich sein kann.

Mamma Mia!: Viele Patientinnen erhalten nach wie vor Taxane wie Paclitaxel oder Docetaxel. Nach welchen Kriterien wird entschieden, welches Taxan zum Einsatz kommt?

Prof. Dr. Hans-Joachim Lück: Zunächst ist man selbstverständlich an die Zulassung gebunden, das heißt, die Patientinnen sollten vor der Gabe von nab-Paclitaxel bereits eine Therapie im metastasierten Stadium erhalten haben. Bei der Verwendung generischer Taxane beobachtet man Hypersensitivitätsreaktionen beziehungsweise auch vermehrt Magen-Darm-Beschwerden. Beides wurde auch bei der Therapie mit Originalpräparaten beobachtet, aber die Häufigkeit fällt mir auf. Erschwert wird die Beurteilung noch dadurch, dass auch innerhalb eines Präparates die Ereignisse von Charge zu Charge schwanken. In Fällen einer Hypersensitivitätsreaktion stellen wir die Therapie auf nab-Paclitaxel um, da auch Studien gezeigt haben, dass das Wiederholungsrisiko extrem gering ist. Außerdem gibt es regelmäßig wiederkehrend Patientinnen, die unter einer Supportivtherapie mit Dexamethason, auch bei bestehender Medikation, zu einem stark steigenden Blutdruck neigen. Da im Normalfall eine Begleitmedikation mit Dexamethason beim nab-Paclitaxel nicht notwendig ist, kann diese Problematik vermieden werden.


Lueck-Hans-JoachimProf. Dr. med. Hans-Joachim Lück
Gynäkologisch-Onkologische Schwerpunktpraxis am Pelikanplatz
Pelikanplatz 23
30177 Hannover
Tel.: +49 (0)511 655528-0
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