Angst vor der Chemotherapie – was hilft?

Angst vor der Chemo
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Vor einer Chemotherapie haben viele Menschen Angst, meist vor den Nebenwirkungen. Erfahren Sie Tipps, mit denen sich Ängste besser meistern lassen und wie Sie die Zeit während der Chemo sinnvoll füllen und nutzen können.

Eine bevorstehende Chemotherapie ruft bei vielen Menschen mit einer Krebserkrankung mulmige Gefühle, Ängste oder seelische Verstimmungen hervor. Viele fürchten sich vor den möglichen Nebenwirkungen und davor, was die Behandlung mit ihnen machen wird. Die Chemotherapie ist aber eine wichtige Behandlungssäule bei vielen Krebserkrankungen, zum Beispiel bei Gebärmutterkrebs oder Brustkrebs. Sie wirkt im gesamten Körper (systemisch) und soll so Krebszellen überall bekämpfen. Zum Einsatz kommen Zellgifte, sogenannte Zytostatika, die Krebszellen an verschiedenen Schwachstellen angreifen. Sie hemmen ihre Vermehrung oder töten sie ab.

Chemotherapeutika besitzen Nebenwirkungen, vor denen viele Menschen Angst haben. Doch solche unerwünschten Wirkungen treten nicht bei jedem Menschen in der gleichen Anzahl auf und auch nicht in der gleichen Intensität. Die Nebenwirkungen hängen maßgeblich vom gewählten Zytostatikum und der eingesetzten Dosierung ab.

Möglich bei einer Chemotherapie sind zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen, Haarausfall, Magen-Darm-Probleme (z.B. Verstopfung, Durchfall), übermäßige Erschöpfung (Fatigue), Veränderungen der Haut und Schleimhäute (z.B. Mukositis), kognitive Störungen (Onkobrain), Neuropathie (Nervenschäden) oder Veränderungen des Blutbildes. Gegen viele dieser Nebenwirkungen gibt es heute jedoch unterstützende, sogenannte supportive Therapien. Sie können helfen, Beschwerden zu lindern und die Behandlung insgesamt besser verträglich zu machen.

Tipps gegen die Angst vor der Chemotherapie

Es gibt verschiedene Strategien, mit denen Sie die Angst vor einer Chemotherapie in Schach zu halten. Einige Tipps, die Ihnen vielleicht helfen können.

Informationen einholen

Wissen ist oft ein gutes Mittel gegen Ängste. Sprechen Sie ausführlich mit Ihrem Behandlungsteam und lassen Sie sich gut erklären, was bei einer Chemotherapie auf Sie zukommen könnte. Sie sollten wissen, wie eine Chemo wirkt, wie sie abläuft, wie lange sie dauert, mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen, was Sie beachten müssen und was Sie selbst zu Ihrem Wohlempfinden in dieser Zeit beitragen können.

Stellen Sie Ihren Ärztinnen und Ärzten im Gespräch alle Fragen, die Sie bewegen und die Ihnen auf dem Herzen liegen. Scheuen Sie sich auch nicht, nachzufragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Es gibt keine „dummen“ Fragen. Vielleicht nehmen Sie auch eine vertraute Person mit, die mithört und ebenfalls Informationen sammeln kann. Wenn Ihre Fragen beantwortet sind, fühlen Sie sich vermutlich besser vorbereitet und für die Chemotherapie gewappnet.

Nebenwirkungen können auftreten, müssen es aber nicht zwangsläufig. Lassen Sie sich auch darüber informieren, mit welchen Maßnahmen Sie Nebenwirkungen begegnen können. Viele unerwünschte Wirkungen können durch bestimmte Medikamente und Strategien verhindert werden. Beispiele: Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen, ein Funktions- und Bewegungstraining zum Schutz vor einer Neuropathie oder eine Kühlkappe, um dem
Haarverlust vorzubeugen oder ihn zu vermindern.

Behalten Sie immer das Ziel der Chemo im Auge: Sie soll entweder Ihre Krebserkrankung heilen
(kurative Chemo) oder das Tumorwachstum aufhalten, die Lebenszeit verlängern (palliative
Chemo) und die Lebensqualität aufrechterhalten.

Psychoonkologie zur Angstbewältigung

Auch die Psychoonkologie kann Menschen mit einer Krebserkrankung helfen. Zertifizierte Krebszentren bieten seelische Unterstützung durch psychoonkologisch geschulte Fachpersonen an. Diese sind mit den seelischen Belastungen einer Krebserkrankung vertraut. Sprechen Sie offen über Ihre Ängste, Sorgen und Nöte. Fachkräfte aus der Psychoonkologie können Ihnen Tipps zum Umgang mit Ihren Ängsten und Ihrer Krebserkrankung geben. Wenn Sie das Gefühl von Sicherheit und Zuversicht entwickeln, lassen sich Ängste oft überwinden.

Austausch in Selbsthilfegruppen

Vielleicht suchen Sie Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe? In Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen für Betroffene verschiedenster Krebsarten, zum Beispiel für gynäkologische Krebserkrankungen wie Gebärmutterkrebs, Eierstockkrebs oder Brustkrebs. Dort treffen Sie auf Gleichbetroffene, die oft schon Erfahrungen mit einer Chemotherapie gesammelt haben. Meist haben sie Tipps an der Hand, wie sich Ängste vor einer Chemo und die Behandlung selbst besser meistern lassen. Diese Strategien könnten vielleicht auch Ihnen helfen.

Wohlbefinden fördern

Achten Sie auf sich selbst und versuchen Sie Ihr Wohlbefinden aktiv zu fördern. Tun Sie Dinge, die Ihnen Stärke, Kraft und Mut geben. Dies kann dazu beitragen, besser durch die Zeit der Chemotherapie zu kommen und Ängste im Zaum zu halten. Es gibt nicht „die eine“ Maßnahme, die allen Menschen gleichermaßen hilft. Probieren Sie verschiedene Strategien aus und finden Sie heraus, was Ihnen persönlich guttut und was nicht. Das eine behalten Sie bei, das andere verwerfen Sie wieder.

Bewegung Entspannung gegen Ängste und Stress

Entspannungsmethoden wie Progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder Autogenes Training können ein gutes Mittel gegen Angst und Stress sein. Auch ein Achtsamkeitstraining, Meditation, Yoga oder sanfte Bewegungsarten wie Tai-Chi und Qigong können zu mehr Entspannung führen.

Bewegung und Sport können nicht nur den Körper und die Muskulatur stärken, sondern auch für positive Stimmung sorgen und Ängste vertreiben. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam aber vorher, welche Art der körperlichen Aktivität in Ihrem Fall sinnvoll ist und wie viel Sport es sein darf. Auch schon während einer Chemotherapie kann körperliche Aktivität sinnvoll sein und Körper, Geist und der Seele guttun. Spaziergänge, Nordic Walking, Wandern, Schwimmen oder Radfahren gehören zu den Ausdauersportarten. Auch Krafttraining in einem Fitnessstudio oder Sportverein, kann möglich sein. Es gibt auch spezielle Sportgruppen, die auf Menschen mit einer Krebserkrankung ausgerichtet sind.

Kreative Therapien

Vielleicht probieren Sie eine kreative Therapie wie Malen, Zeichnen, Musik oder Tanz aus. Manchen Menschen hilft es, Ihre Sorgen und Ängste auf eine Leinwand zu bannen oder ihre Emotionen über den Tanz oder das Musizieren auszudrücken.

Vollwertige und ausgewogene Ernährung

Eine gesunde, ausgewogene und vollwertige Ernährung ist sehr wichtig, damit Ihr Körper während einer Chemotherapie alle wichtigen Nährstoffen erhält. Gerade bei Verdauungsproblemen wie Durchfall sollten Sie besonders auf Ihre Ernährung achten. Ratsam kann zudem eine Ernährungsberatung sein. Sie erfahren dort unter anderem, welche Lebensmittel besonders gesund und gut verträglich sind.

Allgemeine Tipps: Verzehren Sie regelmäßig Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, die reich an Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen sind. Essen Sie das, worauf Sie Lust haben. Verbieten Sie sich kein Lebensmittel, auch dann nicht, wenn es vielleicht nicht ganz so gesund ist.

Freizeit gestalten – soziale Kontakte pflegen

Pflegen Sie Hobbys, die Ihnen schon vorher Freude gemacht haben. Diese können Ihnen auch jetzt Kraft geben. Vielleicht besuchen Sie ein Konzert oder Kino, gehen in die Natur, lesen ein spannendes Buch oder kümmern sich um Ihren Garten.

Halten Sie Ihre sozialen Kontakte aufrecht und isolieren Sie sich nicht. Gespräche mit vertrauten Freundinnen und Freunden können Ihnen über Ängste und schwierige Situationen hinweghelfen.

Die Zeit während der Chemo sinnvoll nutzen

Eine Chemotherapie-Sitzung kann mehrere Stunden dauern. Dabei sitzen die meisten in einem
bequemen Sessel, während sie die Zytostatika langsam über eine Infusion erhalten. Auch andere Krebstherapien wie eine Strahlentherapie nehmen meist viel Zeit in Anspruch.

Der englische Begriff „Time Toxicity“ oder auf Deutsch „Zeittoxizität“ beschreibt die verstärkten Belastungen durch die Zeit, die krebskranke Menschen und ihre Angehörigen mit Behandlungen verbringen. Dazu gehören Reise-, Warte- und Behandlungszeiten, unerwartete Termine und die Erholungsphasen nach den Behandlungen. Wenn sich die Zeit nicht für selbst
geplante, freudige und sinnvolle Aktivitäten nutzen lässt, kann dies den Alltag stören und die Lebensqualität vermindern. Das gilt besonders, wenn eine Krebserkrankung fortgeschritten und die Lebenszeit vielleicht begrenzt ist. Auch auf die Therapieentscheidung kann diese „Zeittoxizität“ einen Einfluss haben.

Wie lässt sich also die Zeit in der Arztpraxis oder Ambulanz einer Klinik möglichst angenehm gestalten und sinnvoll nutzen? Einige Tipps!

  • Verpflegung mitbringen: Nehmen Sie sich etwas zu essen zur Chemotherapie mit, dass Sie mögen und gut vertragen. Hilfreich können kleine Snacks für zwischendurch wie Müsliriegel, Schokolade, Obst, Gemüse oder belegte (Vollkorn)Brote sein. Sie sollten gesund und leicht verdaulich sein.
  • Ausreichend trinken: Denken Sie auch an ausreichend Getränke, zum Beispiel Wasser mit oder ohne Kohlensäure, Tee oder Fruchtsaftschorlen.
  • Ablenkung und Beschäftigung: Beides kann helfen, Ängste zu reduzieren und für mehr Entspannung zu sorgen. Sie können zum Beispiel ein Buch oder eine Zeitschrift lesen,
    einen Film auf Ihrem Smartphone oder Tablet ansehen oder Musik, ein Hörbuch oder Podcasts über einen Kopfhörer hören. Auch Rätselhefte oder Gedächtnisspiele können das Gehirn während der Chemo auf Trab halten. Viele können sich dabei besser entspannen und positive Gedanken und Gefühle entwickeln.
  • Entspannung und Achtsamkeit: Wenn Sie eine Entspannungstechnik, Medikation oder Achtsamkeitsübungen beherrschen: Während einer Chemo lassen sie sich gut anwenden.
  • Austausch suchen: Im Chemotheapieraum sitzen meist noch weitere Patientinnen und Patienten, die sich ebenfalls eine Behandlung mit Zytostatika unterziehen. Sie bilden unausgesprochen oft eine Art „Solidargemeinschaft“, weil alle „im gleichen Boot“ sitzen. Vielleicht sprechen Sie mit Ihrem Gegenüber und tauschen sich aus? Vermutlich geht es ihm ähnlich wie Ihnen selbst. Ein Austausch kann das Wohlempfinden verbessern und Ängste reduzieren.
  • Begleitung mitbringen: Manchen hilft es, wenn Sie eine Begleitung zur Chemotherapie mitbringen, zum Beispiel den Partner, die Partnerin, einen Freund oder eine Freundin. Bei guten und lockeren Gesprächen konzentrieren Sie sich weniger auf die Chemotherapie und die Zeit vergeht oft wie im Flug.
  • Fragen stellen: Sie können die Zeit während der Chemo auch nutzen, um dem Betreuungspersonal einige Fragen zu stellen, die Sie beschäftigen.
Aus der Forschung
  • Die virtuelle Realität (engl. virtual reality, VR) per Smartphone könnte die Chemotherapie erträglicher machen und Ängste und depressive Symptome lindern. Darauf deutet eine Studie aus Asien hin.
  • Die Probandinnen und Probanden erhielten während der Chemotherapie Sitzung ein 10 minütiges immersives VR-Erlebnis mit 360° Videos von Naturlandschaften und entspannenden Klängen. So konnten sie der klinischen Umgebung mental entfliehen und positive Sinneserfahrungen erleben. Die Kontrollgruppe schaute dagegen unter Anleitung bebilderte Broschüren an.
  • Das Virtual Reality-Erlebnis konnte das Wohlbefinden unter einer Chemotherapie steigern sowie Angst und Schmerz verringern.
  1. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Krebs und Psyche, Seelische Belastungen, Angst, abgerufen am 15.12.2025
  2. Felix Burda Stiftung, Behandlung, Chemotherapie, Sorgen um die Chemotherapie, abgerufen am 15.12.2025
  3. Deutsche Krebshilfe, informieren, Therapie, Chemotherapie, abgerufen am 15.12.2025
  4. Kempe, S. Erträgliche Chemotherapie: mit virtueller Realität gegen Angst und
    Schmerz. Fokus Onkol 28, 66 (2025). abgerufen am 16.12.2025 https://doi.org/10.1007/s15015-025-4219-9
  5. Chinomso Nwozichi et. al. Time toxicity in cancer care: A concept analysis using Walker
    and Avant’s method, abgerufen am 16.12.2025

NP-DE-AOU-WCNT-260001 (01/26)

Mit freundlicher
Unterstützung von GlaxoSmithKline

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.

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