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Hormonrezeptor-positive ­Tumoren

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CDK4/6-Inhibitoren als neue Therapieoption

Die Behandlung der Hormonrezeptor-positiven, metastasierten Tumoren hat sich seit der Zulassung der ersten CDK4/6-Inhibitoren im Jahr 2017 verändert. War bisher die alleinige Antihormontherapie das erste Mittel der Wahl, ist es heute die Kombination aus dieser und einem CDK4/6-Inhibitor. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Nadia Harbeck, Leiterin des Brustzentrums der LMU in München, über diese neue Wirkstoffklasse.

Mamma Mia!: Frau Prof. Harbeck, könnten Sie uns bitte kurz skizzieren, wie CDK4/6-Hemmer wirken?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Die so genannten cyclin-abhängigen Kinasen (kurz CDK genannt) spielen eine wichtige regulatorische Rolle im Zellzyklus und sind in Brustkrebszellen vermehrt aktiv. Dabei gibt es zahlreiche unterschiedliche Kinasen, die in bestimmten Phasen des Zellzyklus von Bedeutung sind. Durch ihre Hemmung (Inhibition) wird ein wichtiger Signalweg innerhalb der Zelle gestört, wodurch das Zellwachstum gebremst wird. Wir gehen davon aus, dass eine vermehrte Aktivität von CDK4/6 ein Schlüsselfaktor für eine Resistenzbildung gegen eine antihormonelle Therapie ist. Werden sie gehemmt, wirkt die antihormonelle Therapie besser und länger. Studien haben gezeigt, dass sich die progressionsfreie Zeit, also die Zeit bis zum Fortschreiten der Krankheit, unter der Kombinationstherapie nahezu verdoppelt und nun in der ersten Therapielinie rund zwei Jahre beträgt.

Mamma Mia!: Würden Sie allen Frauen mit Hormonrezeptor-positivem, metastasiertem Tumor als erste Therapielinie einen CDK4/6-Inhibitor empfehlen?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: In der ersten Therapielinie kommen prinzipiell alle Patientinnen mit einem hormonempfindlichen, HER2-negativen, metastasierten Tumor, die keine lebensbedrohliche Erkrankungssituation haben, für diese Therapie in Frage. Wir informieren die Patientinnen über diese Therapiemöglichkeit, aber auch über die Möglichkeit einer alleinigen Antihormontherapie. Die meisten Patientinnen entscheiden sich für die Therapie mit einer Antihormontherapie und einem CDK 4/6 Inhibitor, da sie die lange Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung als sehr wertvoll empfinden. Die Lebensqualität wird unter dieser kombinierten Therapie erhalten. Bei einer lebensbedrohlichen Erkrankungssituation muss eine Chemotherapie gegeben werden.
Mamma Mia!: Können Frauen, deren metastasierte Erkrankung bereits antihormonell behandelt wurde, diese neuen Wirkstoffe auch erhalten?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Ja, auf jeden Fall. Es gab weitere Studien, die zeigten, dass Frauen, deren metastasierte Erkrankung bereits unter einer antihormonellen Therapie fortgeschritten war, auch in der so genannten Zweitlinie von CDK4/6-Inhibitoren profitieren können. Anstelle der Antihormontherapie wird dann Fulvestrant, ein Antiöstrogen, eingesetzt.

Mamma Mia!: Wird die Kombinationstherapie auch prä- oder perimenopausalen Patientinnen verordnet?
Prof. Dr. Nadia Harbeck: Ja, verschiedene Studien haben gezeigt, dass der Nutzen von dieser neuen Therapie unabhängig vom Menopausenstatus ist. Prämenopausale Patientinnen benötigen zur Unterdrückung der Eierstockfunktion zusätzlich ein GnRH-Analogon. Alternativ kann diskutiert werden, ob es sinnvoll ist, die Eierstöcke zu entfernen.

Mamma Mia!: Könnten nicht auch Frauen mit einem triple-positiven Tumor (hormonrezeptor- und HER2-positiv) von dieser Therapie profitieren?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Wir wissen, dass CDK4/6-Inhibitoren sehr gut bei hormonabhängigen Tumoren wirken. Die bisherigen Zulassungsstudien haben sich auf HER2-negative Tumoren beschränkt. Jetzt laufen auch Studien zu den HER2-positiven Hormonrezeptor-positiven Tumoren. Bis wir hier Ergebnisse haben, werden HER2-positive metastasierte Tumoren in der Erstlinie weiter mit Chemotherapie und der dualen Blockade behandelt.

Mamma Mia!: Und Frauen mit triple-negativem Tumor?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Die bisherigen klinischen Studien, aber auch die präklinischen Daten zeigen eindeutig, dass der Nutzen einer CDK4/6-Hemmung im Wesentlichen bei den hormonabhängigen Tumoren liegt. Für triple-negative Tumoren sind derzeit andere vielversprechende Medikamente wie zum Beispiel PARP-Inhibitoren oder Immuntherapien in Entwicklung.

Mamma Mia!: Welche Nebenwirkungen treten unter der Einnahme der CDK4/6-Inhibitoren auf?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Das Nebenwirkungsprofil der drei zugelassenen Medikamente unterscheidet sich leicht. Alles in allem sind sie gut verträglich. Die häufigste Nebenwirkung, die in Studien aufgetreten ist, sind Blutbildveränderungen, von denen die Patientin meist nicht viel merkt. Umso mehr müssen wir Ärzte darauf achten, insbesondere die weißen Blutkörperchen können sich verringern. Zu Beginn der Therapie sollten die Blutwerte zunächst alle zwei Wochen überprüft werden, auch wenn das vielleicht belastend für die Patientin ist, und gegebenenfalls die Dosis reduziert werden. Nach den ersten zwei Zyklen reicht dann in der Regel eine Blutbildkontrolle vor dem neuen Einnahmezyklus. Weitere Nebenwirkungen, die auftreten können, sind Durchfall, Müdigkeit, Infektionen der oberen Atemwege, Übelkeit, Entzündungen der Mundschleimhaut, Haarausfall beziehungsweise ein dünnerer Haarwuchs, Appetitlosigkeit oder Erbrechen. Diese Nebenwirkungen treten aber nur sehr selten in einer schweren Form auf. Insgesamt wissen wir, dass die Lebensqualität länger stabil bleibt als unter einer alleinigen Antihormontherapie. a es

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck

Univ.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck
Leitung des Brustzentrums der Universität München
Standorte: Frauenkliniken Groß­hadern und Maistraße-Innenstadt
Postadresse: Brustzentrum, Universitätsfrauenklinik
Klinikum Großhadern, Marchioninistraße 15, 81337 München
Tel.: +49 (0)89 4400-77581
Fax: +49 (0)89 4400-77582
E-Mail: sekretariat-prof-harbeck@med.uni-muenchen.de

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