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Hyper­thermie

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Chance bei metastasiertem Mammakarzinom

Die Hyperthermie als lokale, regionale oder Ganzkörperanwendung hat in der onkologischen Praxis als vierte Therapiesäule einen festen Stellenwert, meist in Kombination mit Chemo- oder Strahlentherapie. Allerdings werden die Kosten seitens der Krankenkassen nur teilweise nach Einzelentscheidungen übernommen. Die Kostenträger begründen diese Zurückhaltung mit bisher nicht ausreichender Studienlage und auch der teilweise ungesicherten Qualität der Hyperthermie.

Die Anwendung der Hyperthermie (HT) ist in etwa 200 kleineren onkologischen Praxen und Kliniken aus langjähriger Erfahrung heraus etabliert. Seit einigen Jahren haben aber auch Universitätskliniken die Bedeutung der HT in der Onkologie erkannt und prüfen die Tumorwirkung unter der durch elektromagnetische Wellen erzeugten Wärme im Rahmen von Studien. Innerhalb der Interdisziplinären Arbeitsgemeinschaft Hyperthermie (IAH) der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Hyperthermie (DGHT) werden Standards der Anwendung der HT evaluiert. Die DGHT veranstaltet jährlich in Köln Symposien über die neuesten Ergebnisse. HT ist wie viele Begriffe in der Medizin eine Sammelbezeichnung für sehr verschiedene Formen, die unbedingt von Betroffenen hinterfragt werden müssen. Diese Formen unterscheiden sich durch die angestrebte Temperaturhöhe von 38 °C bis über 42 °C, durch die Herstellung der HT und Übertragung auf den Körper und schließlich durch das Zielvolumen im Körper – von örtlich-umschriebenem Tumorvolumen über eine Region bis zum Ganzkörper. Entscheidend für die Wirkung ist wie bei einem Medikament oder bei der Strahlentherapie die Thermische Dosis, die in das Zielvolumen gebracht wird.

Phase-I-Studie zur Hyperthermie

Beim wiederkehrenden Brustkrebs läuft gegenwärtig die „mammatherm-studie“, eine innovative Phase-I-Studie, die eine Chemotherapie mit Hyperthermie der Tumorregion kombiniert (www.mammatherm-studie.de). Erste Ergebnisse der Studie wurden zum amerikanischen Krebskongress ASCO 2012 in Chicago vorgestellt. Bei Teilnahme an der Studie ist die Hyperthermie kostenlos möglich in der 1. Universitäts-Frauenklinik, Campus Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität München (Onkologische Studienzentrale), an der Medizinischen Klinik III in Hannover und an der Onkologischen Schwerpunktpraxis Dr. Müller in Leer. In die Studie können Patientinnen mit messbaren Metastasen eingeschlossen werden, wenn sie schon mindestens eine Chemotherapie gehabt hatten, aber nicht mehr als drei. Es erfolgen zweimal pro Woche jeweils über eine Stunde HT auf die Metastasenregion sowie innerhalb von drei Wochen drei simultane Chemotherapieinfusionen mit Cisplatin (niedrige Dosis) und eine Infusion mit Myocet. Nach Abschluss der Phase I allerdings muss randomisiert werden für die Phase II, das heißt, die betroffene Patientin kann selbst nicht entscheiden, ob sie zusätzlich zur Chemotherapie die HT erhält. Nur durch den Vergleich dieser Gruppen können wir sehen, ob sich unsere bisherigen guten Erfahrungen und Hoffnungen auf die HT bestätigen. Sollte das der Fall sein, könnten wir auch die Kostenträger überzeugen. Allerdings sind wir skeptisch, ob sich genügend Patientinnen randomisieren lassen, die meisten, die von HT gehört haben, möchten sie auch nutzen.

Bei mehreren Metastasen und Streuung im Körper ist die lokoregionale HT nicht sinnvoll. In diese Situation kann die Chemotherapie nur durch eine Ganzkörperhyperthermie mit Temperaturen bis 42 °C verstärkt werden. Bei Hautmetastasen gibt es eindrucksvolle dauerhafte Erfolge durch Kombination der Strahlentherapie mit HT.


Prof. Dr. med. Harald Leo SommerProf. Dr. med. Harald Leo Sommer
Frauenarzt u. Radiologe, ­Gynäkologische Onkologie
1. Universitätsfrauenklinik München, Campus Innenstadt
Maistraße 11
80337 München
Tel.: +49 (0)89 5160-4578
Fax: +49 (0)89 5160-4547
E-Mail

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