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T-DM1

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Neue Wirkstoffkombination zur Behandlung HER2-positiver Tumoren

Mit Trastuzumab wurde die Behandlung HER2-positiver Tumoren revolutioniert, die Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen mit dieser Tumorart stiegen drastisch an. Nun wurde dieser Wirkstoff weiterentwickelt und verspricht in seiner neuen Form einen weiteren Überlebensvorteil für Frauen im metastasierten Stadium. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Nadia Harbeck vom Brustzentrum der LMU in München über diese neue Therapieoption.

Mamma Mia!: Frau Prof. Harbeck, können Sie uns den Wirkmechanismus des neuen Medikaments T-DM1 (Handelsname Kadcyla) beschreiben?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Kadcyla ist ein gezielt gegen den HER2-Rezeptor gerichtetes Medikament, das zwei krebsbekämpfende Eigenschaften miteinander verbindet: die HER2-Hemmung durch Trastuzumab (den Wirkstoff in Herceptin) und die zytotoxische Wirkung des Chemotherapeutikums DM1. Trastuzumab und DM1 sind durch eine stabile Verbindungssubstanz, einen so genannten Linker, miteinander verbunden, so dass DM1 direkt zu den HER2-positiven Krebszellen gebracht und dort erst in den Krebszellen freigesetzt wird.

Mamma Mia!: Für wen kommt diese Therapie in Frage?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Bei T-DM1 handelt es sich um eine Einzeltherapie für die Behandlung von Patientinnen mit HER2-positivem, inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Brustkrebs, die zuvor mit Trastuzumab (Herceptin) und einem Taxan separat oder kombiniert behandelt wurden.

Mamma Mia!: Mit der neuen Wirkstoffkombination sind große Hoffnungen verknüpft. Sind diese berechtigt?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: In der internationalen Phase-III-Studie EMILIA wurde gezeigt, dass Patientinnen mit HER2-positivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Brustkrebs, die zuvor mit Trastuzumab und Taxan-Chemotherapie behandelt wurden, unter der Behandlung mit T-DM1 nicht nur eine deutlich längere Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung hatten, sie lebten auch länger. Die Nebenwirkungen dieses Medikaments sind verglichen mit anderen Chemotherapien relativ gering.

Mamma Mia!: Um welche Nebenwirkungen handelt es sich?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Die häufigste Nebenwirkung, die bei knapp 13 Prozent der Patientinnen auftrat, war die so genannte Thrombozytopenie, das heißt eine reduzierte Zahl an Blutplättchen. Andere Nebenwirkungen, die bei zwei bis drei Prozent der Studienteilnehmerinnen auftraten, waren erhöhte Leberwerte, Blutarmut und Erschöpfungszustände.

Mamma Mia!: In welcher Form wird T-DM1 verabreicht?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: T-DM1 wird alle drei Wochen mit einer Dosis von 3,6 mg/kg Körpergewicht in die Vene als Infusion verabreicht.

Mamma Mia!: Wäre es denkbar, dieses Medikament auch schon in der adjuvanten Situation einzusetzen?

Prof. Dr. Nadia Harbeck: Wir freuen uns jetzt erst einmal über die Zulassung in Deutschland für die fortgeschrittene Erkrankungssituation. Natürlich wollen wir ein so interessantes und wirksames Medikament auch gerne früher bei Patientinnen ohne Metastasierung einsetzen. Momentan geht das bereits im Rahmen von Studien: In der WSG-ADAPT-Studie (www.wsg-online.de) wird T-DM1 vor der Operation zusammen mit einer Antihormontherapie eingesetzt. In der KATHERINE-Studie haben Patientinnen, bei denen eine präoperative Standardtherapie mit Trastuzumab und Chemotherapie nicht zum vollständigen Verschwinden aller Tumorzellen geführt hat, die Möglichkeit, T-DM1 nach der Operation zu erhalten. Eine große adjuvante Studie (KAITLIN) ist für 2014 geplant. Ich freue mich sehr, dass ich hier die Studienleitung für Deutschland übernehmen werde.


Harbeck-NadiaUniv.-Prof. Dr. med. Nadia Harbeck
Leitung des Brustzentrums der Universität München, Standorte: Frauenkliniken Großhadern und Maistraße-Innenstadt
Postadresse: Brustzentrum, ­Universitätsfrauenklinik
Klinikum Großhadern
Marchioninistraße 15
81337 München
Tel.: +49 (0)89 7095-7581
Fax: +49 (0)89 7095-7582
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