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Wirbelsäulenmetastasen

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Intraoperative Strahlentherapie als neue Therapieform

Knochenmetastasen sind häufig und treten in der Mehrzahl in der Wirbelsäule auf. In Abhängigkeit vom befallenen Knochen und der Beschwerdesymptomatik erfolgt die Therapie entweder systemisch oder lokalisiert. Liegen viele, eher kleinere Knochenmetastasen vor, erfolgt die Behandlung üblicherweise zunächst systemisch, also mit einer Chemo-, Antihormon- und beziehungsweise oder Bisphosphonat/-Antikörpertherapie. Treten lokal größere Beschwerden auf, kann eine Strahlentherapie Symptome lindern, die Metastasen am Wachstum hindern und den Knochen stabilisieren. Eine neue Methode, die so genannte intraoperative Strahlentherapie (IORT), die auch bei der Behandlung von Brusttumoren zum Einsatz kommt, bietet nun die Möglichkeit, Wirbelsäulenmetastasen gezielter zu behandeln. Bei der „Kypho IORT“ geht es dabei nicht nur um die Behandlung von Beschwerden, sondern auch um die Stabilisierung der Wirbel. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Udo Obertacke und Prof. Dr. Frederik Wenz vom Universitätsklinikum Mannheim, die diese Methode als interdisziplinäres Team (Chirurg/Strahlentherapeut) mit entwickelten.

Mamma Mia!: Herr Prof. Obertacke, Herr Prof. Wenz, wann kommt die Kypho IORT zum Einsatz? Bei welchen Patienten ist sie sinnvoll?

Prof. Dr. Udo Obertacke: Oft sehen wir Patienten und Patientinnen in den Tumorboards, bei denen gleichzeitig schmerzhafte und instabile Metastasen der Wirbelsäule und wachsende Metastasen in den Organen wie zum Beispiel der Leber oder der Lunge vorliegen. Man steht dann vor der schwierigen therapeutischen Entscheidung, ob man zuerst mit Chemotherapie Leber und Lunge behandeln soll und somit die Patientin noch längere Zeit Knochenschmerzen hat oder ob man zuerst die Knochen behandelt und dabei möglicherweise die Erkrankung in Leber oder Lunge fortschreitet. Wir haben daher versucht, ein Verfahren zu entwickeln, welches minimal-invasiv und kurzstationär durchgeführt werden kann und zu einer schnellen Stabilisierung und Schmerzreduktion von Wirbelsäulenmetastasen führt. Bei der so genannten Kypho-IORT wird in Narkose über einen kleinen Hautschnitt eine etwa sechs Millimeter dicke Kanüle in den Wirbelkörper eingebracht. Durch diese Kanüle erfolgt die einmalige hochdosierte Bestrahlung mit dem Intrabeam-Gerät, und anschließend wird der Wirbelkörper mit Knochenzement stabilisiert. Die Patientinnen können die Klinik schon am nächsten Tag verlassen. Überwiegend wird das Verfahren bei Patientinnen eingesetzt, bei denen einige wenige Wirbelkörper befallen sind und Schmerzen sowie eine Bruchgefahr bestehen.

Mamma Mia!: Wird sie nur in Mannheim angeboten oder gibt es schon andere Kliniken, die diese Methode durchführen?

Prof. Dr. Frederik Wenz: Das Verfahren wird seit einigen Jahren in Mannheim eingesetzt. Inzwischen wurden mehrere Kliniken in diesem Verfahren ausgebildet, wobei am Uniklinikum Greifswald und in Gummersbach auch schon mit dem klinischen Einsatz begonnen wurde.

Mamma Mia!: Müssen Betroffene, für die dieser Eingriff in Frage kommt, mit langen Wartezeiten rechnen?

Prof. Dr. Frederik Wenz: Nein, allerdings benötigen die Vorbereitung und Aufarbeitung der Unterlagen einige Tage, ebenso wie die Terminabstimmung mit den verschiedenen Behandlungsteams, so dass die Therapie circa ein bis zwei Wochen nach der Anmeldung erfolgen kann.

Mamma Mia!: Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für dieses Verfahren?

Prof. Dr. Udo Obertacke: Die Techniker Krankenkasse bietet das Verfahren im Rahmen des Programms „Spitzenmedizin“ an. Bei anderen gesetzlich versicherten Patientinnen erfolgt die Therapie überwiegend unter Studienbedingungen.

Mamma Mia!: Wie sieht die Zukunft aus? Wird dieses Verfahren in die Regelversorgung eingebaut werden?

Prof. Dr. Frederik Wenz: Wir sehen national und international ein großes Interesse an diesem Verfahren, da wir in ersten Publikationen nachweisen konnten, dass die Schmerzreduktion bereits am ersten Tag nach dem Eingriff bei fast allen Patientinnen zu beobachten ist. Wir haben bereits mehr als 20 andere Kliniken in diesem Verfahren in einem speziellen Trainingsprogramm geschult, so dass wir von einer zunehmenden Verbreitung ausgehen.


Obertacke-UdoProf. Dr. med. Udo Obertacke
Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3
68167 Mannheim
Tel.: +49 (0)621 383-4960
Fax: +49 (0)621 383-2476
E-Mail
www.umm.de

 

Wenz-FrederikProf. Dr. med. Frederik Wenz
Universitätsmedizin Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1–3
68167 Mannheim
Tel.: +49 (0)621 383-4960
Fax: +49 (0)621 383-2476
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