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Selen

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Schützt vor Krebs, mindert Nebenwirkungen

Selen, ein lebensnotwendiges Spurenelement, gehört zu den besonders interessanten komplementären Medikamenten, die als Nahrungsergänzungsmittel zum Einsatz kommen. Es ist umstritten, ob es bei unseren westeuropäischen Ernährungsgewohnheiten ausreichend zugeführt wird. Deshalb sprechen sich einige Forscher bereits für eine regelmäßige Einnahme von Selen aus, während andere dies ablehnen. Bei der Vorbeugung von Krebserkrankungen kommt Selen eine hohe Bedeutung zu, da es als Co-Faktor in einer Reihe von entgiftenden Enzymen aktiv wird. Fasst man die zahlreichen Untersuchungen zur präventiven Wirkung zusammen, so ist klar: Selen schützt vor Krebs.

Zu hohe wie zu niedrige Werte haben jedoch negative Folgen. Noch nicht eindeutig geklärt ist, wie der gewünschte Blutspiegel erreicht werden kann und ob hierzu die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels erforderlich ist. Die tägliche Zufuhr sollte bei 70 bis 100 Mikrogramm liegen – dies wird in Deutschland bei ausgewogener Ernährung knapp erreicht. Im Zweifelsfall kann der Selenspiegel im Blut bestimmt werden.

Eine wichtige Frage ist, ob Selen in der Behandlung der Krebserkrankung eine Bedeutung hat. Eine amerikanische Arbeitsgruppe konnte erstmalig zeigen, dass bei Patienten mit Lymphomen, die ihre Behandlung mit einem niedrigen Selenspiegel begannen, die Heilungsaussichten geringer sind als bei Patienten, die einen normalen bis höheren Selenspiegel hatten. Ob die Chancen von Patienten mit niedrigem Selenspiegel daher durch eine Selengabe verbessert werden könnten, muss jedoch noch untersucht werden.

Eine ganze Reihe von Laboruntersuchungen zeigt, dass Selen das Wachstum von Krebszellen bremsen könnte. Diese Untersuchungen sprechen auch dafür, dass Selen im Vergleich zu anderen Antioxidantien sogar die Wirkung der Chemo- und Strahlentherapie auf Tumorzellen verstärkt. Leider wurden diese Untersuchungen bisher nur bei wenigen kleinen Patientengruppen überprüft. Eine Aussage, ob Selen in der Therapie eine Bedeutung zukommt, ist deshalb noch nicht eindeutig möglich.

Einige Untersuchungen ergaben, dass Selen vor Nebenwirkungen einer Chemo- und Strahlentherapie schützt. Die Dosisempfehlungen liegen hierbei zwischen 200 und 500 Mikrogramm pro Tag. Die Einnahme von Selen während der Therapie scheint deren Wirkung nicht abzuschwächen. Untersuchungen sprechen auch dafür, dass Selen bei Lymphödemen hilfreich ist und insbesondere die gefürchtete Entzündung bei Lymphödemen vermindert. Selen sollte in diesen höheren Dosierungen jedoch nicht langfristig eingenommen werden, da einige Untersuchungen dafür sprechen, dass es dann zu negativen Folgen wie zum Beispiel einer erhöhten Diabetesrate, aber möglicherweise auch vermehrt zu Hauttumoren kommen könnte. Bei einer längerfristigen Seleneinnahme sollten Sie Ihren Blutspiegel kontrollieren lassen.

Die Frage, in welcher Form Selen eingenommen werden sollte, ergibt sich aus den positiv verlaufenen Studien, die alle mit dem anorganischen Natriumselenit durchgeführt wurden. Die Einnahme von Natriumselenit sollten Sie mit dem behandelnden Onkologen abstimmen.


Huebner-162x219Dr. Jutta Huebner
Leiterin Arbeitsgruppe Integrative Onkologie
Dr. Senckenbergisches Chronomedizinisches Institut
J. W. Goethe Universität
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt

© Schattauer Verlag.
Aus: Jutta Hübner: „Diagnose KREBS … was mir jetzt hilft.
Komplementäre Therapien sinnvoll nutzen.“ Schattauer Verlag 2011.

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