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Intraoperative Bestrahlung bei Brustkrebs

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Neue Studienergebnisse belegen Erfolg
Bei der intraoperativen Bestrahlung wird das Gewebe im Tumorbett noch während der Operation, nachdem der Tumor aus der Brust entfernt wurde, gezielt bestrahlt. Neue Studienergebnisse belegen nun, dass diese einmalige Bestrahlung die sechswöchige Strahlentherapie in einigen Fällen ersetzen kann. Mamma Mia! sprach mit Professor Dr. Marc Sütterlin, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Mannheim, über diese bahnbrechende, neue Erkenntnis.

Prof. Dr. Marc Sütterlin: Die internationale TARGIT-Studie, an der über 2.000 Frauen mit frühem Brustkrebs teilgenommen haben, hat eindeutig gezeigt, dass eine einmalige intraoperative Bestrahlung mit dem Intrabeam-System bei ausgewählten Patientinnen mit einem Alter von mindestens 50 Jahren genauso effektiv, sicher und nebenwirkungsarm ist wie eine herkömmliche Strahlentherapie nach der Operation. Voraussetzung ist allerdings, dass nur ein Tumorherd mit nicht mehr als zwei Zentimeter Durchmesser in der betroffenen Brust vorhanden ist.

Mamma Mia!: Was sind die Besonderheiten dieser Bestrahlungsart?

Prof. Dr. Marc Sütterlin: Bei dem TARGIT-Konzept kommen niederenergetische Röntgenstrahlen mit einer hohen Einmaldosis zum Einsatz. Diese Strahlenart hat eine vergleichsweise hohe biologische Effektivität, das heißt sie schädigt Tumoren besonders stark. Außerdem ist der Abfall der Strahlendosis im Gewebe um den Applikator sehr steil, somit werden möglicherweise im Tumorbett verbliebene Krebszellen zuverlässig vernichtet, während das weiter in der Tiefe liegende Gewebe geschont wird.

Mamma Mia!: Könnte die intraoperative Bestrahlung auch Frauen mit einem fortgeschrittenen Tumor Vorteile bringen, vielleicht in Verbindung mit einer anschließenden regulären Strahlentherapie?

Prof. Dr. Marc Sütterlin:
In der Tat bringt die Technik auch für Patientinnen mit größeren Tumoren einen Nutzen. Bei Frauen mit einem Brustkrebs bis zu einer Größe von etwa fünf Zentimetern kann zumindest die Tumorbett-Bestrahlung, der so genannte Boost, die sich üblicherweise als mindestens einwöchige Bestrahlung an die Bestrahlung der gesamten Brust anschließt, mit der Methode durchgeführt werden und so der Patientin wertvolle Zeit sparen. Im Übrigen können mit dem System auch Brustkrebsmetastasen in der Wirbelsäule bei Frauen mit fortgeschrittenem Brustkrebs während der Operation zur Stabilisierung betroffener Wirbelkörper bestrahlt werden.

Mamma Mia!: Wird die intraoperative Bestrahlung in Deutschland flächendeckend angeboten? Falls nicht – an wen können sich Betroffene wenden,die sich dafür interessieren?

Prof. Dr. Marc Sütterlin:
Die intraoperative Bestrahlung mit dem Intrabeam-System ist in Deutschland mittlerweile nahezu flächendeckend an mehr als 25 Brustkrebszentren verfügbar. Die Universitätsmedizin Mannheim fungiert als bundesweites Leitzentrum, da hier die meisten Studien und wissenschaftlichen Untersuchungen zur der Technik durchgeführt werden und die größte Erfahrung mit der Methode vorhanden ist. Die Mitarbeiter des interdisziplinären Brustzentrums im Universitätsklinikum Mannheim stehen für weitere Informationen oder Auskünfte gerne zur Verfügung.

Mamma Mia!: Wie wird diese Maßnahme derzeit finanziert?

Prof. Dr. Marc Sütterlin: Die Kosten für die intraoperative Bestrahlung werden vollständig von den Krankenkassen übernommen.

Mamma Mia!: Was bringt Ihrer Meinung nach die Zukunft in Bezug auf moderne Strahlentherapien?

Prof. Dr. Marc Sütterlin:
Die Zukunft der modernen Strahlentherapie geht wie bei den Operationsverfahren und den medikamentösen Therapien in Richtung einer risikoadaptierten, möglichst schonenden, aber sicheren Behandlung, die für jede individuelle Patientin und die besonderen Eigenschaften ihres Tumors sozusagen maßgeschneidert wird.


Foto_SuetterlinProf. Dr. Marc W. Sütterlin
Direktor der Universitätsfrauenklinik Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Tel.: 0621 383-0
Fax: 0621 383-2705

 

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