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Triple-positiver Brustkrebs: Neue Therapieoption im frühen Stadium

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Triple-positive Tumoren verfügen sowohl über Östrogen- als auch Progesteron- und HER2- Rezeptoren. Dadurch bieten sich eine Reihe Angriffspunkte für Therapien. Seit Ende letzten Jahres steht eine neue Therapieoption für diesen Tumortyp zur Verfügung. Über diese sprach Mamma Mia! mit Prof. Dr. Hans Tesch.

Mamma Mia!: Herr Prof. Tesch, mit Neratinib steht für Brustkrebspatientinnen mit einem triplepositiven Tumor ein neuer Wirkstoff zur Verfügung. Können Sie uns kurz erklären, um welche Art Medikament es sich handelt?

Die chemische Formel des Wirkstoffs Neratinib

Prof. Dr. Hans Tesch: Neratinib ist ein neuer Wirkstoff aus einer Gruppe der Tyrosinkinasehemmer. Anders als die Antikörper Trastuzumab oder Pertuzumab, die an Eiweißstrukturen (Rezeptoren) an der Zellaußenseite binden, greifen die Tyrosinkinasehemmer im Inneren der Zelle an. Dort hemmen sie die von den Rezeptoren ausgehende Signalweiterleitung und in Folge dessen das Tumorwachstum. Die Wirkung von Neratinib zeichnet sich dadurch aus, dass der Wirkstoff auf breiter Basis die Rezeptoren der HER-Familie (humane epidermale Wachstumsfaktorrezeptoren) hemmt. Während die zuvor genannten Antikörper an HER2 angreifen, unterbindet Neratinib die Signalweiterleitung aller HER-Rezeptoren (HER1, HER2 und HER4). Eine weitere günstige Eigenschaft von Neratinib ist, dass die Bindung an die Rezeptoren nicht mehr gelöst werden kann, eine sogenannte irreversible Hemmung.

Mamma Mia!: Welche Patientinnen profitieren am meisten von diesem Wirkstoff?

Prof. Dr. Hans Tesch: Neratinib ist für Patientinnen mit HER2-positivem und Hormonrezeptor-(HR)-positivem Brustkrebs in der Frühphase (Stadien I-III) nach einer Trastuzumab-basierten adjuvanten Therapie zugelassen. In diesen  Stadien gibt es, je nach individueller Situation, verschiedene Therapiekonzepte. So können die Patientinnen eine Operation gefolgt von einer adjuvanten Trastuzumab-basierten Therapie erhalten. Möglich ist auch eine initiale, also neoadjuvante Therapie – in der Regel mit Trastuzumab und Pertuzumab – gefolgt von der Operation und dies gefolgt von einer weiteren adjuvanten Therapie mit Trastuzumab und / oder Pertuzumab oder Trastuzumab-Emtansin. Nach Abschluss dieser Antikörpertherapien kann nun durch die Weiterbehandlung mit Neratinib (diese wird auch als erweiterte Adjuvanz bezeichnet) das Risiko für ein Rezidiv bei HER2-positiven/HR-positiven Patientinnen weiter gesenkt werden. In der entsprechenden Subgruppenanalyse der Zulassungsstudie ExteNET zeigte sich, dass nach fünf Jahren ohne Neratinib ein Rezidivrisiko von 14 Prozent besteht. Dieses Risiko konnte durch Neratinib auf neun Prozent gesenkt werden. Anders ausgedrückt bedeutet dies, dass mit Neratinib die Chance besteht, circa eins von drei Rezidiven zu verhindern.

Wie alle Therapieentscheidungen bei Patientinnen mit Brustkrebs, so hängt auch die Entscheidung für oder gegen Neratinib von individuellen Faktoren ab. Hierzu gehören zum Beispiel der Therapiewunsch der Patientin, das Alter, der Allgemeinzustand nach den Vortherapien, die Ausdehnung des Tumors, also seine Größe und das Vorhandensein sowie die Zahl von Lymphknotenmetastasen und vieles mehr.

Mamma Mia!: Wie würde bei dieser Patientengruppe das Therapieschema mit Neratinib aussehen?

Prof. Dr. Hans Tesch: Die NeratinibTherapie muss gemäß Zulassung innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Trastuzumab-basierten Vortherapie begonnen werden. Das Medikament steht in Form von 40-Milligramm-Tabletten zur Verfügung. Die Standarddosis beträgt ein Mal täglich 240 Milligramm, also sechs Tabletten. Die Einnahme sollte vorzugsweise morgens und zusammen mit einer Mahlzeit erfolgen. Die Behandlungsdauer beträgt ein Jahr. Da Durchfall die Hauptnebenwirkung von Neratinib ist und dieser meist in der ersten oder zweiten Therapiewoche auftritt, ist eine konsequent durchgeführte Durchfall-Vorbeugung erforderlich. Sie sollte direkt mit der ersten Einnahme von Neratinib begonnen und in den ersten zwei Monaten der Therapie konsequent weitergeführt werden. Danach erfolgt die weitere Durchfallvorbeugung beziehungsweise -therapie je nach Bedarf. Wichtig ist, dass während der Therapie mit Neratinib keine Johanniskrautpräparate eingenommen werden dürfen und die Patientinnen auf Grapefruit/-produkte verzichten sollten.

Mamma Mia!: Welchen Patientinnen würden Sie dieses neue Medikament konkret empfehlen?

Prof. Dr. Hans Tesch: Wie zuvor geschildert, ist Neratinib zugelassen für Patientinnen mit HER2-positivem/ HRpositivem Brustkrebs im Frühstadium, deren adjuvante, Trastuzumab-basierte Therapie vor weniger als einem Jahr abgeschlossen wurde und die ein erhöhtes Risiko für einen Rückfall haben, etwa ein Resttumor nach Abschluss der neoadjuvanten Therapie, ein Lymphknotenbefall oder ein großer Primärtumor. Vom Grundsatz her sollten Patientinnen, die diese Kriterien erfüllen, über die Möglichkeit einer Therapie mit Neratinib informiert werden. Wie oben geschildert, hängt die Entscheidung dann vom Wunsch der Patientin sowie von individuellen Faktoren der Patientin und des Tumors ab.

Mamma Mia!: Wie sieht es mit den Nebenwirkungen aus?

Prof. Dr. Hans Tesch: Neratinib besitzt ein gut charakterisiertes Nebenwirkungsprofil. Die Hauptnebenwirkung ist Durchfall. Ohne konsequente Vorbeugung tritt Durchfall bei 95 Prozent der Patientinnen auf. Durchfall mit höherem Schweregrad, das heißt mit mehr als sieben Stuhlgängen pro Tag, wurde bei 40 Prozent der Patientinnen beobachtet. Durch eine konsequente Durchfallvorbeugung und -therapie und mittels Dosisanpassungen von Neratinib kann die Häufigkeit des Durchfalls insgesamt, die Häufigkeit höhergradiger Durchfälle sowie die Anzahl der Durchfall-Episoden im Therapieverlauf und die Dauer des Durchfalls gesenkt werden. Der Hersteller hat hierzu in Zusammenarbeit mit den Zulassungsbehörden ein entsprechendes Management-Programm etabliert. Die darüber hinaus möglichen, häufigeren Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erschöpfung, Erbrechen, Bauchschmerzen und Hautausschlag. Insgesamt handelt es sich bei dem Nebenwirkungsprofil von Neratinib um bekannte Nebenwirkungen, die wir häufig in der Brustkrebstherapie beobachten. Uns stehen verschiedenste Möglichkeiten zur Verfügung, um diese im Falle des Auftretens adäquat zu behandeln und zu lindern.

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