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Bisphosphonate

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Neue Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologischer Onkologen (AGO)

Brustkrebs wird heute als Erkrankung der Brust mit ausgeprägter systemischer Komponente verstanden. Daher ist eine Therapie mit Medikamenten notwendig, die den gesamten Körper therapieren, um das Risiko für einen Rückfall zu reduzieren. Die Medikamente sollen dabei eine Verträglichkeit aufweisen, die in Relation zu ihrem Nutzen steht.

Antitumoröse Effekte

Eine bereits seit einigen Jahren diskutierte und nun durch neue Studien bestätigte medikamentöse Therapie ist die mit Bisphosphonaten. Bisphosphonate sind Medikamente, die bereits seit vielen Jahren in der Therapie des Knochenschwundes (Osteoporose) genutzt werden. Bisphosphonate hemmen die Knochen abbauenden Zellen (Osteoklasten) und haben eventuell auch direkte antitumoröse Effekte. Die exakte Wirkung der Bisphosphonate auf den Verlauf einer Brustkrebserkrankung ist unklar.

Reduktion der Rückfälle

In zwei Studien wurde eine Therapie mit Clodronat (1.600 Milligramm pro Tag über zwei Jahre) untersucht. Die therapierten Patientinnen zeigten in der Therapiephase weniger Metastasen und ein langfristig verlängertes Gesamtüberleben. Die Einnahme der Tabletten ist jedoch umständlich (nüchtern, zwei Stunden vor dem milchproduktfreiem Frühstück). Neuere Studien haben deswegen das Bisphosphonat Zoledronat (vier Milligramm alle sechs Monate über drei Jahre) gewählt, das intravenös gegeben wird. Hier konnte zunächst gezeigt werden, dass die Knochendichte der behandelten Patientinnen stabil blieb, obwohl zum Teil parallel Medikamente gegeben worden waren, welche die Knochendichte senken können. Des Weiteren konnte die Anzahl der Rückfälle durch Zoledronat um circa 36 Prozent reduziert werden. Einschränkend muss jedoch bezüglich der statistischen Auswertung dieser Studien gesagt werden, dass die vor Beginn der Studien festgelegten Ziele häufig nicht die Reduktion der Rückfälle beinhalteten. Die Zoledronsäure war in den Studien gut verträglich. Das Nebenwirkungsprophylaxe sollte der behandelnde Arzt in vorbereitenden Untersuchungen ausführlich mit seinen Patientinnen besprechen.

AGO Empfehlung aber keine Zulassung

Die Kommission „Mamma“ der Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie empfiehlt seit Februar 2009 eine Therapie mit den beiden Bisphosphonaten, auch wenn bisher keine Zulassung für diese Therapie in Europa besteht. Jede Patientin, welche diese neue Therapie beginnen möchte, sollte die Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse beantragen oder sich mit ihrem behandelnden Gynäkologen über die Kosten einer solchen Behandlung informieren.


Priv. Doz. Dr. med. Florian SchützPriv. Doz. Dr. med. Florian Schütz
Chefarztstellvertreter der gynäkologischen
Abteilung des Krankenhauses Salem der Stadtmission Heidelberg
Oberarzt der Universitätsfrauenklinik Heidelberg
Zeppelinstraße 11–33
69121 Heidelberg

 

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